Huddersfield Town – Mit deutschem Gegenpressing zum Klassenerhalt?

Am 29.05.2017 um 18:53 Uhr war der englische Fußball um ein Fußballmärchen reicher. Nach einem dramatischen 4:3-Sieg im Elfmeterschießen gegen den favorisierten FC Reading ist Huddersfield Town nach 45-jähriger Abstinenz endlich wieder im Fußball-Oberhaus angekommen. Zum ersten Mal in der erst seit 25 Jahren bestehenden Premier League!

Huddersfield-Town

Hauptverantwortlicher für den Erfolg des Clubs aus Yorkshire: Cheftrainer David Wagner. Der Deutsch-Amerikaner, der in seiner aktiven Karriere unter anderem für den FSV Mainz 05 und den FC Schalke 04 stürmte, war vor seiner Einstellung in Huddersfield 2015 ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt, backte als Trainer der U23 des BVB eher kleinere Brötchen. Mittlerweile ist er auf der Insel hoch angesehen, wurde nach dem Traumstart seines Teams im August sogar zum Trainer des Monats gewählt.

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Sein Konzept lässt viele Parallelen zum langjährigen Trainerkumpel Jürgen Klopp erkennen: Powerfußball mit schnellem Umschaltspiel und vor allem organisierte, laufintensive Arbeit gegen den Ball. In England hat sich der deutsche Begriff „Gegenpressing“, nicht zuletzt dank Klopp und Wagner, sogar ins Fußballvokabular eingeschlichen. Während Huddersfield zu Anfang des Jahres unter Experten noch als Abstiegskandidat-Nr. 1 galt, hat sich die Mannschaft mit dieser Spielweise
vorerst im gesicherten Tabellenmittelfeld festgesetzt. Spätestens nach dem 2:1-Heimsieg gegen Manchester United ist unmissverständlich klar geworden: die Underdogs sind gekommen, um zu bleiben!

Besonders interessant für den deutschen Fußball war die Startaufstellung der „Terriers“ beim Überraschungserfolg. Mit Löwe, Schindler, Williams und Kachunga standen gleich vier Deutsche in der ersten Elf! Zum Vergleich: Bei den Bayern starteten am selben Tag beim Auswärtsspiel gegen den HSV nur drei: Hummels, Süle und Ulreich.

Es bleibt abzuwarten, ob die Wagner-Elf sich dauerhaft aus dem Abstiegskampf raushalten kann, das Spiel beim Tabellen-17. aus Bournemouth am Samstag sollte jedoch ein weiterer Wegweiser sein, wo die Reise für den Aufsteiger hingehen wird.